Dieser mein Freund hört nicht auf zu reden. Seine finnische Frau beschreibt ihn im Scherz als «an verbalem Durchfall leidend». Und trotz meiner Ruhe und Stille besitzt er eine erstaunliche Fähigkeit zu reden, ja andere ins Gespräch zu ziehen. Er kann lange Stunden sprechen und endlose Türen des Streits öffnen über Religion, über Moral und über historische Gestalten, die gestorben sind und hinter sich eine unfruchtbare, nicht endende Debatte zurückgelassen haben.
Er teilt mit mir alles, was er hört, liest, sieht oder erlebt. Er ist ein Liebhaber der Fragen: Er leitet aus einer Frage eine Frage ab, zieht aus einer Schlussfolgerung eine Schlussfolgerung und macht aus einem Ergebnis ein Ergebnis. Er besitzt eine verblüffende Begabung und ein anziehendes Charisma, ein Gespräch in einen nie versiegenden Fluss zu verwandeln.
Mein Freund stellt im Reden tägliche Rekordzahlen auf; eine Stunde oder zwei sind bei ihm bloß eine gewöhnliche Zahl, seine wahren Zahlen aber sind fünf Stunden oder sechs … ja, sie können sich auf acht Stunden in Folge erstrecken. Und er ist stolz darauf, als wäre es eine persönliche Heldentat.
Das Seltsame ist, dass dieser stets redende Freund das Lesen nicht mag. Er glaubt, die Zeit des Lesens sei vorbei und die Zeit des Hörens und Redens herrsche nun. Er meint, niemand lese, weil niemand schreibe, und niemand schreibe, weil niemand lese. Ein leerer Kreis, den er mit dem nie endenden Reden durchbricht. Und du musst jenes böse Band zwischen dir und den Redenden finden, die nicht aufhören.
Und vor kurzem hat er erfunden, was er «das ununterbrochene radio-radio-artige Gespräch» nennt: eine ausgedehnte Sitzung von vier, sechs oder acht Stunden, in der der Moderator mit einer einzigen Frage beginnt, woraufhin er selbst die Antwort übernimmt … eine ganze Stunde oder mehr. Was für ein Ereignis, was für eines.
Ich aber weiß nicht, wie ich diese Geschichte beenden soll. Die Stunden des Zuhörens ziehen sich noch immer hin, sei es in meinen Gesprächen mit ihm oder in seiner endlosen Sendung. Deshalb bleibt nichts anderes, als die Geschichte hier abzubrechen … und ihr Ende offen zu lassen, so wie seine Rede, die kein Ende hat.
Motaz Omarien