Gesichter des Migranten

Wortgefecht mit dem Mauretanier

6. September 2026 — Momentaufnahme 1

Von Zeit zu Zeit entfache ich ein Wortgefecht mit meinem mauretanischen Freund, denn ich bin darauf bedacht, jenen Unterschied zwischen ihm und mir zu schaffen. Und obwohl wir stundenlang reden, können diese langen Gespräche wegen einer beiläufigen Sache enden; dann protestiert er, oder ich protestiere, und wir legen auf oder erinnern einander daran, und meist bleibt zwischen uns eine versteckte, unausgetragene Gereiztheit zurück.

Ich verfolge ihn eifrig in seinen Schriften, in seinen Analysen und in seiner Kritik der gesellschaftlichen und politischen Wirklichkeit. In seiner Andersartigkeit finde ich, was mich zieht, ihn weiter zu verfolgen und mit ihm in Verbindung zu bleiben. Und ich gebe zu, dass ich auf gewisse Weise der Anlass war, ihn zum Schreiben zu drängen, so wie ich ihn auf andere Weise heute zum Zögern oder zum Innehalten bringe. Oft kritisiere ich ihn wegen seiner Themen; denn er neigt dazu, über Gaza und die „Al-Aqsa-Flut“ zu sprechen, während ich möchte, dass er über sein Land Mauretanien schreibt, oder wenigstens über seinen Aufenthaltsort Helsinki in Finnland.

So hören zwischen uns die Geplänkel, die Neckereien und die gedanklichen Reibereien nicht auf, trotz der Verschiedenheit unserer Zugehörigkeit. Ich zum Beispiel gehöre nicht eindeutig irgendeiner Strömung an. Ich wandere schwankend hierhin und dorthin: Ich bin weder mit diesen noch mit jenen. Manchmal weiß ich nicht, wohin, nicht bis wann und nicht wo. Mein mauretanischer Freund hingegen steht auf festem Boden mit seiner nationalarabischen, nasseristischen Haltung, klar und unverblümt.

Ich aber bin jener Verwandlungskünstler, der zwischen Islamismus, Nationalismus, Patriotismus, Humanismus und Kommunismus hin und her wechselt. Wozu ich mich am Morgen bekenne, dem gehöre ich an, und dem, wozu ich mich am Abend bekenne, sage ich am nächsten Morgen ab. Das bin ich, der schillernde, sich wandelnde Mensch; und das ist mein Wortgefecht, mein Widerspruch, mit meinem mauretanischen Freund, der in seiner Klarheit unerschütterlich ist.

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